Wie kann ich mein Kind 
 zum Lesen motivieren?

Kinder sollen lesen lernen und sich ganz nebenbei Wissen aneignen,
die Sprache entwickeln und die Phantasie anregen –
aber was, wenn das Kind nicht von sich aus zum Buch greift?
Wie kann es da die wunderbare Welt der Literatur kennen- und liebenlernen?

Tina Kemnitz, Diplom-Sprechwissenschaftlerin und Literaturvermittlerin
(Tolles Buch! und buchfindomat.de) gibt Eltern einige praktische Tipps.




Wie motiviere ich mein Kind zu Lesen?



1. Bücher, Buchregal und Lese-Orte

Ohne Bücher geht es nicht. Um Kinder zum Lesen zu motivieren, sollten Bücher da sein - aber nicht nur eins und natürlich auch nicht irgendwelche. Wichtig ist eine Auswahl von vielen verschiedenen spannenden, witzigen, unterhaltsamen, berührenden – eben tollen Büchern.

Wie findet man aber in der Masse der Neuerscheinungen und bereits vorhandenen Kinderbücher die wirklich tollen? Am besten, Sie vertrauen kompetenten LiteraturvermittlerInnen: den BibliothekarInnen in Kinder- und Jugendbibliotheken, den BuchhändlerInnen in Buchhandlungen und den Lese- und LiteraturpädagogInnen in den Schulen. Schließlich verbringen diese ihr Leben mit dem Lesen von Büchern und freuen sich, wenn sie ihre Lektüreerfahrungen weitergeben können. Für Kinder, Jugendliche und Eltern haben wir die Seite www.buchfindomat.de entwickelt. Hier kann man eine von Bücher-ExpertInnen getroffene Auswahl toller Bücher finden.

Bücher gehören in jedes Kinderzimmer und dafür braucht man eigentlich nur einen Bibliotheksausweis. Kinderbibliotheken gehören zu den inspirierendsten Orten in jeder Stadt. Es gibt kaum ein schöneres Ritual, als alle ein bis zwei Wochen gemeinsam mit seinem Kind einen Spaziergang dorthin zu unternehmen. Vielleicht erinnern Sie sich ja an Ihre eigene Kindheit: wie herrlich war das, sich neue Bücher auszusuchen! Und zu zeigen, welche Bücher man schon gelesen hat.

Apropos: Gibt es in ihrer Wohnung ein schönes Bücherregal? Und hat das Kind ein eigenes in seinem Zimmer? Wenn nicht: Bauen Sie zusammen mit dem Kind eins! Ein paar schöne Holzbretter – vielleicht etwas Farbe - auch das Bauen eines Bücherregals ist eine wunderbare gemeinsame Aktion. Wichtig ist, dass Kinderbücher stets sichtbar und für alle gut zu erreichen sind.

Wenn ihr Kind ein Buch geschenkt bekommt, freuen Sie sich mit ihm. Kinder sollten erfahren, dass Bücher einerseits zum alltäglichen Leben dazugehören, aber andererseits besonders wertvoll sind.

Hat ihr Kind einen gemütlichen Platz zum Lesen in seinem Zimmer oder irgendwo in der Wohnung? Lesesessel, Sofa, Tages- oder Hochbett – es braucht nur eine Leselampe sowie eine Ablagemöglichkeit fürs Buch. Auf jeden Fall sollte der Leseort ein Platz sein, an dem das Kind sich wohlfühlt.



2. Lieblingsbücher und Vorlesen als gemütliches Alltagsritual

Wenn ihr Kind ein Lieblingsbuch in der Bibliothek gefunden hat, sollten Sie ihm dieses Buch kaufen. Am schönsten ist das, wenn Sie gemeinsam mit dem Kind einen Ausflug oder Spaziergang zur Buchhandlung machen. Viele Kinder lesen Lieblingsbücher mehrfach, möchten sie Freundinnen und Freunden zeigen und davon erzählen. Und ganz sicher gibt es irgendwann eine Buchvorstellung in der Schule – toll, wenn das Kind dann einfach nur mal rasch in sein eigenes Bücherregal greift, oder?

Lesen ist toll – nicht nur für Kinder. Lesen ist kein pädagogischer Akt, zu dem man sich und das Kind zwingen muss - machen Sie es sich gemütlich! Nehmen Sie sich täglich Zeit für eine kleine Vorlese-Einheit für Ihr Kind und lesen Sie auch selbst. Kinder, die erleben, dass Erwachsene viel lesen, greifen auch selbst öfter zum Buch.

Am allerwichtigsten ist das tägliche Vorlesen, 10 Minuten am Tag, das kriegt man auch bei vollgepacktem Terminkalender hin. Und wie herrlich ist es, mit dem Kind über das gemeinsam Gelesene zu sprechen: beim Essen, beim Warten, während Zug- und Autofahrten, wenn Sie das Kind zur Schule bringen oder abholen. Am besten, Sie planen eine feste Zeit zum Lesen und Vorlesen in ihrem Tagesablauf ein - z.B. immer abends vor dem Schlafen oder am Nachmittag als kleine Auszeit von Schule und Arbeit.

Natürlich gibt es auch viele tolle Hörbücher. Aber kein Medium kann ersetzen, was Vorlesesituationen bringen: Vertrautheit, Gespräche, körperliche und seelische Nähe. Lesen Sie also selbst vor und das so oft wie möglich.

Tägliches Vorlesen kann und sollte auch ein Familienritual bleiben, wenn das Kind schon sehr gut alleine lesen kann. Lesen Sie vor, solange das Kind das will und hören Sie damit auf gar keinen Fall auf, wenn das Kind alle Buchstaben kennt. Bis zum flüssigen Alleinlesen ist es noch ein langer Weg und viele Kinder verlieren ohne die Unterstützung der Erwachsenen schnell den Mut.

3. Wie aber bringt man ein Kind zum Lesen, wenn es gerade die ersten Buchstaben kennengelernt hat?

Lesenlernen ist mühsam - kleine und tägliche Trainingsaufgaben erleichtern das Ganze: Üben Sie gemeinsam jeden Tag ein paar Minuten lang, aber gehen Sie die Sache entspannt an. Starten Sie z.B. während ihres täglichen Vorlesens mit einzelnen Buchstaben, die das Kind im Text finden und benennen darf. Erst dürfen einzelne und leichte, später kompliziertere Wörter vom Kind entziffert werden. Lassen Sie das Kind, sobald es das kann, einige Wortgruppen vorlesen, ganze Absätze oder immer die wörtliche Rede. Zwischendurch darf Quatsch gemacht, gelacht und geknuddelt werden.



4. Loben und Weiterlesen lassen

Loben Sie, wenn etwas besonders gut geklappt hat. Und statt das Kind während des Vorlesens dauernd zu korrigieren: Fragen Sie es, ob es ihm lieber ist, bei einem Vorlesefehler leicht angestupst zu werden. Vielleicht ist es dem Kind aber auch angenehmer, Sie lassen es einfach lesen so gut es eben geht – und wiederholen dann die vom Kind gelesene Textpassage noch einmal richtig. Dann hört das Kind die korrekte Fassung und wird nicht ständig unterbrochen und verbessert.

Lesen lernt man durch Lesen – so wie Fahrradfahren nur durch Fahrradfahren und Fußballspielen nur durch Fußballspielen. Gehen Sie die Sache also sportlich an. Erklären Sie dem Kind, dass niemand gleich mit der Weltmeisterschaft oder einem dicken Buch beginnt. Man steigert sich beim Fitnesstraining – genau wie beim Lesenlernen - langsam. Dabei kommt es aber nicht nur aufs Tempo, sondern auch darauf an, zu verstehen, was man liest.

Gehen Sie nach folgendem Schema vor: Das Kind liest jeden Tag genau 1 Minute lang laut vor. Sie stoppen die Zeit und erlauben dem Kind auch nicht, weiter vorzulesen, selbst wenn es nach 60 Sekunden mitten im Wort ist. Das Ganze ziehen Sie eine Woche lang durch: Jeden Abend 1 Minute. In der Folgewoche verdoppeln Sie dann die Zeit: Jetzt soll das Kind jeden Tag 2 Minuten lang vorlesen usw.. Nach ein paar Wochen wird das Kind flüssig lesen können. Man muss nur konsequent sein und die Sache durchziehen.

Unterstützen Sie die Sache mit kleinen Überraschungen und Belohnungen. Wenn die ersten Lese-Erfolge errungen sind, darf sich das Kind etwas wünschen. Oder Sie vereinbaren gleich zu Beginn des Lesetrainings einige Etappen-Ziele und legen gemeinsam fest, was Schönes passiert, wenn die Zwischenziele erreicht wurden.

Reden Sie voller Stolz (besonders, wenn das Kind neben ihnen steht und zuhört) von den Leseerfolgen Ihres Kindes. Ermutigen und trösten Sie es, wenn die Sache langsamer vorangeht, als Sie das geplant hatten. Auf gar keinen Fall sollte man aufgeben!

Lesen Sie dem Kind immer weiter vor – Lesen lernt man ja dafür, dass man in Geschichten versinken und spannende Dinge erfahren kann. Das darf über dem Lesetraining nicht in Vergessenheit geraten: Bücher sind toll, Geschichten sind fantastisch und witzig und spannend! Und ein letzter Tipp für die Zeit, wenn das Kind schon lesen kann: Hören Sie während des abendlichen Vorlesens gern auch mal abrupt mit dem Vorlesen auf, wenn die Geschichte spannend wird – beim sogenannten „Cliffhanger“. Erlauben Sie dem Kind dann aber, das Licht noch zehn Minuten anzulassen, wenn es noch ein kleines Stück weiterlesen möchte – Sie ahnen, was möglicherweise passieren wird...

Es gibt soooo viele Kinder- und Jugendbücher, wäre doch jammerschade, wenn die keiner liest!

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